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Der Schlenderer

Der Schlenderer kommt aus dem Rheinland und ist schon viele Wandertouren gelaufen. 2015 verschlug es ihn, zusammen mit seiner Ehefrau Petra, auch auf unsere NORDPFADE. Seine Erlebnisse hat er in seinem Reisblog (schlenderer.de) festgehalten.

 

NORDPFAD Wolfsgrund
19. September 2015

Unser Wanderurlaub begann sonntags. Anreisen sind ein leidiges Übel, doch wir erleichtern uns das, indem ich beim Fahren einfach die Klappe halte. Mir reicht meist Hupen, um die Umwelt auf mich aufmerksam zu machen. Wild hupend erreichen wir also Rotenburg das Ziel unserer schweigsamen Anfahrt. Rotenburg ist ein schnuckliges Städtchen mit gut 20.000 Einwohnern, in der Mehrzahl sicher Norddeutsche, was ja spannende Begegnungen mit dem als lebenslustig verschrienen Rheinländer versprach. Wobei in mir sicher viel dickes Eifelblut fließt, dass doch eher behutsames Herantasten (nein, nicht Heranhupen!) an andere Menschen verspricht. Eher so wie es dem Norddeutschen nachgesagt wird. Insofern also müssten wir bestens auskommen.

Das fing ja auch schon direkt gut an. Petra hatte sich bereits Anfang des Jahres eine Ferienwohnung ausgeguckt; einige Monate später wurde dann in der Fernsehserie “Schönes Landleben” (oder heißt es “Gutes Landleben” oder doch “Superschönes gutes Landleben”) der Hof Grafel vorgestellt. Rund drei Kilometer raus aus Rotenburg, rein in die Natur liegen hinter uns, als wir den Bauernhof erreichen. In einem der folgenden Berichte werde ich (oder Petra) den Hof noch vorstellen.

Jedenfalls bietet Wilhelm Peters auch Yoga-Kurse an. Mag sein, dass ich meine Biegsamkeit oder Geschmeidigkeit schon vor Jahren eingebüßt habe, vermutlich auch, da ich die Yoga-Kurse eines Tages vor rund zehn Jahren sausen ließ und auch daheim nicht mehr yogierte, jedenfalls nickte ich Petras Begeisterung ab. Auch mit dem Gedanken: “Super, guck ich mir in der Zeit eine Horrorgruselserie im Fernsehen an. Also Bauer sucht Frau oder sowas.”

Ferienwohnung 6 gehörte für 10 Tage uns 2. Eine gute Wahl, die Petra getroffen hatte, denn als einzige Ferienwohnung lag die Terrasse zu den Wiesen hin. Ich möchte mit dem Hinweis auf meine familiäre Herkunft feststellen, dass der zwar dort geborene, aber durch die Bemühungen der eifelschen Oma und des Opas nicht ganz waschechte Rheinländer Jung gern auch mal die Knurzbacke runterhängen lässt. Sprich: Großes Hallo beim morgendlichen Outdoor-Frühstück kann mein Ding sein, muss es aber nicht. Smalltalk muss dann nicht sein, Hupen täte es auch. Nach der Ankunft gab es eine Begrüßungsrunde bei Kaffee und Kuchen. Jetzt bin ich ja Sozialarbeiter, ein selbstgewähltes Schicksal, das im Laufe des Berufslebens so seine Eigenarten mit sich bringt. Beispielsweise so etwas in Richtung “Stuhlkreise” und “wir stellen uns jetzt alle mal vor”. Die Vielzahl solcher pseudo-traumatischen Vorkommnisse führt heutzutage bei mir zu Gesichtsmuskelverspannungen, die Petra mit dem tiefenpsychologischen Ansatz eines “Jetzt guck aber nicht so!!!” (ja, drei Ausrufezeichen!!!) aber gut lösen kann. Es war auch wirklich nett, Petra Peters hatte uns im positiven Sinne gut im Griff. Und als einer der älteren Gäste vor sich und vor uns ergiebig hinplauderte, meine ich auch, ein kollektives Aufatmen gehört zu haben. Stille ist gut, kann aber in einer Runde von zehn oder so Menschen zu Löchern in der Decke führen. Und das hätte das schöne Bauernhaus, in dem wir zu Tisch saßen, nicht verdient.

Wilhelm führte uns danach noch über den Bauernhof. Schafe, Ziege, Pferde, Esel. Spielgerätschaften für Kinder. Bauernhöfe sind für Kinder ja Abenteuerland, bei Peters sind sie da sicher genau richtig.

Nach dem großen und, wie gesagt!, freundlichen Hallo war uns die Zeit weggelaufen. Gegen 18 Uhr machten wir uns auf den Weg zum “Nordpfad Wolfsgrund”. Jeder Tag ohne Wanderung ist ja ein verlorener Tag. So gönnten wir uns noch die 1,2 Kilometer lange Variante des eigentlichen Nordpfads. Dieser wiederum ist 5,2 Kilometer lang und – als Besonderheit – barrierefrei, also für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer geeignet und mit “Mitten-Drin-Bänken” ausgestattet, bei denen der Fahrer zwischen zwei Holzbänken Platz findet. Beide Wege, der längere und die kurze Variante, schließen auch eine barrierefreie Aussichtsplattform ein mit einem schönen Blick über das Naturschutzgebiet Wolfsgrund.

Dieses Naturschutzgebiet war unser Ziel. Ein Rundweg führt durch die sanft gewellte Dünenlandschaft, der sandige Weg läuft zwischen der Besenheide entlang, streift durch ein kleines Wäldchen und am Everser Bach vorbei und bietet von zwei malerisch gelegenen Rastbänken Gelegenheit zum Innehalten. Wir nutzen beide Gelegenheiten und sind froh, nach Stunden auf der Autobahn jetzt die Stille genießen zu können. An diesem Abend sind wir die Einzigen im Wolfsgrund, am folgenden Tag werden wir bei schönerem Wetter wiederkommen und einige Besucher mehr sehen. Von der Aussichtsplattform gönnen wir uns noch einige Blicke über die Heidelandschaft, dann ruft die Ferienwohnung. Das Team der Nordpfade bietet einen Wandernavigator an, bei dem alle Nordpfade mit Informationen und Karten abgerufen und ausgedruckt werden können. Die Wege selbst sind einheitlich ausgeschildert, werden regelmäßig gepflegt und weisen an jedem Startpunkt eine große Informationstafel auf. Die Beschilderung unterwegs ist vorbildlich und wirklich unverlaufbar.

Alle Bilder zu dem Bericht: https://schlenderer.de/nordpfad-wolfsgrund/

 

NORDPFAD Haxloher Erde
23. September 2015

»Ja, wo fliegen sie denn, wo fliegen sie denn hin?« Mit festem Griff kreist Udo Fischer vom TouROW (Touristikverband Landkreis Rotenburg) im Nordpfade-Tourenbegleiter die Areale ein, in denen die Chancen gut stehen. Die Kraniche kommen. Bald. Wir machen uns auf. Ein Tipp war der “Nordpfad Haxloher Heide”

Der Startpunkt zu dieser 10,5 Kilometer langen Rundwanderung (die Angabe der Höhenmeter verdrücke ich mir, aber irgendwann mache ich mir doch den Spaß und zeichne die Wanderroute bei Outdooractive nach) liegt beim Melkhus Fintel bei Familie Aselmann. Mit meiner doch recht cremigen Übersetzung »Milchhaus« und dem Gedanken daran, mir die Milch selbst zapfen zu müssen, lag ich falsch. Aber dazu am Ende mehr.

Erst einmal wanderten wir los, ein bisschen Teer, dann viel mehr Wiesenweg, vorbei am Flüsschen Fintau, rübergeguckt noch zu einem versteckten Teich (ohne Foto), weiter durch die Niederung bis zur Fintaubrücke, über die Petra sich lässig lehnt. Dort dachten wir dann auch zum ersten Mal: Wie herzerwärmend und Beine schonend wär ein Bänklein für uns zwei. Leider lag die Niederung ganz banklos vor uns, was dem herrlichen Anblick – diese Weite! Und das, obwohl alles so schön flach ist hier – aber keinen Abbruch tut.

Die weichen Wiesenwege wechseln sich ab mit propperen Alleen. Wo heutzutage die Straße entpflastert und zugeteert werden (gut, es ist Asphalt …), wandern wir hier über steinigen Grund. Als Alternative soll man nebendran auf dem Grünstreifen gehen, aber so weichbodenversessen bin ich nicht, zudem läuft es sich sehr gut über den harten Boden.

Fast hätten wir bei all dem gemütlichen Wandern gar nicht mitbekommen, dass wir den rechts platzierten 43 Meter hohen Feienberg links haben liegen lassen. Da müssen wir echt Tomaten auf den Augen gehabt haben. Noch einige Allee und viele Felder weiter queren wir eine Landstraße und gelangen zur ersten und einzigen Raststation, dem Rastplatz Wiesenblick. Eigentlich ja doch ein Segen, denn wer uns kennt, der weiß: Die beiden nutzen jede Gelegenheit, um Butterbrote und Kaffee (und draußen gibt’s nur Thermoskännchen!) auszupacken.

Im Nordpfade-Tourenbegleiter zeichnete Udo Fischer genau HIER den blauen Kranichkringel ein. Tja, wir saßen dort und warteten. Die Minuten vergingen, und bald die Stunden. Die erste Nacht brach ein und der nächste Tag brach auf. Und wir harrten auch den zweiten Tag aus und aßen das, was unsere Rucksäckchen hergaben, und es ward plötzlich arg wenig, sodass Petra darben musste, damit ich das Fernglas sicher in den nun zittrigen Händen halten konnte. Und die Nacht …

Gut, ganz so war es nicht. Wir hatten genug zu Essen dabei. Und außerdem waren wir zu früh. Die Kraniche fliegen um Mitte September ein. Nicht Ende August, nicht Anfang September. Zudem denke ich, dass unsere Uhrzeit (die lag so um 13 Uhr herum) nicht die richtige war. Welcher Kranich, der etwas auf sich hält, steht bei Mittagshitze mitten im Feld? So hofften wir also auf die nächsten Kranichkringel auf den anderen Nordpfaden, die wir noch wandern wollten.

Und wir sollten nicht enttäuscht werden! Aber davon dann mehr in einem der folgenden Berichte. Was mir besonders an der Region gefiel: Es gibt viel mehr Wald, als ich erwartet hatte. Und das Schöne daran, der Wald war meistens nicht ganz dicht. Nicht also dieses dröge-dunkle Kiefertannengemisch, durch das man selbst bei Sonnenschein mit Stirnlampe kriechen muss, sondern locker aufgestellte Bäume, gut belaubt und bunt durchgemischt.

Wir streifen durch das Naturschutzgebiet im Oberen Fintautal und gelangen nach den verträumten Mühlenbachswiesen zu einem Abzweig. Wenige Meter rechts davon bogen wir auf dem Hinweg ab, nun wenden wir uns auf dem befestigten Weg nach links.

Nach drei oder vier Stunden – wir haben nicht auf die Uhr geschaut, gelangen wir zurück zur Informationstafel. Links die orangefarbene steht für die Nordpfade, die rechte, grüne für das große Netz an Radfahrwegen. Beim Startplatz findet sich auch noch ein netter Spielplatz, aber viel wichtiger war uns das …

Melkhus Fintel!

Bei angenehmen Temperaturen und einem netten Gespräch mit Frau Aselmann genossen wir Tee (draußen gibt’s nur Tässchen!) und Quark. Drinnen sitzen geht auch, aber das Drumherum nahe beim Bauernhof ist so apart hergerichtet, dass wir noch eine ganze Weile draußen bei Getränken mit Hund saßen.

Zu diesem Nordpfad wird noch eine kurze, 4,5 Kilometer lange Variante angeboten. Ich wüsste aber keinen Grund, warum ich die empfehlen sollte. Genug Zeit zum Wandern sollte man immer mitbringen, und die längere Rundtour ist dermaßen ansprechend, dass ich gar nichts auf die Idee käme, irgendwoirgendwas abzukürzen. Überhaupt ist der Nordpfad sehr abwechslungsreich. Weiche Wege und gut ausgebaute Strecken. Weite Wiesen und Weiden und prächtige Alleen. Eine Biogasanlage und Kranichlandeplätze. Menschenstille und Vogelgezwitscher. Plätscherndes Wasser und schnurrender Autoverkehr. Und den nur ganz am Rande … Was will ich mehr?

Alle Bilder: https://schlenderer.de/nordpfad-haxloher-erde/

 

 

NORDPFAD Wümmeniederung
26. September 2015

Wer’s knüppeldick will, wandert den »Nordpfad Wümmeniederung« in einem Durchgang. Wer’s locker-flockig wie wir mag, kostet den 32,3 Kilometer langen Rundwanderweg in kleinen Häppchen. Udo Fischer vom TouROW hat uns Tipps mit auf den Weg gegeben, was wir nicht verpassen dürfen. Das Naturschutzgebiet Voßberge mit der ehemaligen Wanderdüne gehört dazu. 

Das Gute an der »Wümmeniederung« ist: Sie hat etliche Varianten auf Lager. So kann sich jeder – wenn er sich wie wir nicht den gesamten Weg auf einen Schlag zur Brust nehmen will – scheibchenweise an die Gesamtrunde herantasten. Die Varianten starten in umliegenden Ortschaften und in Rotenburg selbst und steigen über ausgeschilderte Zuwege in die eigentliche Rundtour ein. Wir haben uns für Hellwege entschieden, einen kleinen Ort, und lassen unseren Wagen an einem Gasthaus stehen. Der Vorteil ist: Der »Nordpfad Wümmeniederung« führt sowieso hier entlang, sodass wir also sofort auf dem richtigen Weg sind.

Wir gehen die rund 9 Kilometer lange Strecke im Uhrzeigersinn. Im Nachhinein überlege ich, ob mir die Wanderung »gegen« den Uhrzeiger nicht besser gefallen hätte. Dann nämlich wäre das sehr schöne Stück entlang der Wümme, die wir immer wieder durchs hohe Gras glitzern sehen, der dicke Schlusspunkt gewesen.

So also wandern wir erst eine gute Strecke mit der Wümme zusammen: Links der Fluss, rechts die ausufernden Felder, Weiden und Brachland. Eine neue Fußgängerbrücke müssen wir zwar nicht überqueren, nutzen sie aber, um einige malerische Fotos von der Wümme zu schießen.

Später queren wir die Niederung und halten uns an einem Wegweiser links, um nach einer halben Stunde das Naturschutzgebiet Voßberge und eine Wanderdüne zu erkunden, die zu unserem Glück reglos vor sich hin sandet. Wir steigen hinauf, lassen Sand durch die Finger rieseln und machen uns bald wieder auf den Weg zurück zum erwähnten Wegweiser. Von hier geht es am Waldrand und an Wiesen entlang bis zum Großen Fährhof.

Bevor wir das Areal passieren, entdecken wir zwischen Bäumen zwei Teiche, der eine malerisch mit allerlei Gebotsschildern (Marke: »Nicht schwimmen, nicht zelten, nicht angucken«), der andere allzu nah am Gasthaus beim Fährhof, als dass wir dort unsere Beine ausstrecken möchten. Idyllisch schaut’s allemal aus, und so wandern wir mit guten Gefühlen weiter zum Kleinen Fährhof, nun auch über saftige Wiesenwege und vorbei an Wochenendhäusern.

Dort dann finden wir den Wegweiser, der uns wieder durch die Niederung und über die Wümme zurück nach Hellwege führt. Ich weise gerne wieder auf den Nordpfade-Tourenbegleiter hin, der uns die Wandertouren über begleitet hat und uns immer zuverlässig darüber informierte, wo wir uns gerade befinden. Verlaufen ist auf den Nordpfaden vermutlich gar nicht möglich, an den richtigen Stellen und Orten warten Markierungen und Wegweiser. Der »Nordpfad Wümmeniederung« präsentierte sich uns als ausgewogene Mischung aus beschaulichem Abschnitt an der Wümme entlang und großteils stillen Passagen am Wald vorbei oder durch kleine Waldstücke hindurch. Die Wanderdüne sollte man sich als Abstecher gönnen; wären wir dort weiter bis zum Ort Everinghausen gegangen, hätten wir uns die Holzskulptur »Luftdurchlässig« anschauen können.

Wir haben darauf verzichtet. Zudem hatten wir geplant, in unserem Urlaub noch eine weitere Variante dieses längeren Nordpfads zu wandern, mussten darauf aber in den noch folgenden Tagen verzichten. Wir haben letztlich andere Nordpfade erkundet, ohne dass dies den »Nordpfad Wümmeniederung« abwerten soll. Denn uns hat er begeistert: Einfach wandern. Laufen lassen. Die Luft um die Nase wehen lassen. Wer das sucht, dazu noch einige Blickpunkte wie die Wanderdüne, wird sich mit diesem Nordpfad sicher anfreunden. Und vielleicht das machen, was uns vergönnt war: Die gesamte Wanderroute gehen.

Alle Bilder: https://schlenderer.de/nordpfad-wuemmerniederung/

 

Mehr Berichte zu den NORDPFADEN und alle Bilder findet ihr unter: schlenderer.de

Kontakt

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www.schlenderer.de
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